Die Nordschleife ist eine berühmt-berüchtigte, deutsche Rennstrecke in der Eifel. Sie ist der älteste Teil des Nürburgrings und wurde bereits 1927 eröffnet. Sie war und ist Austragungsort für viele Motorsport-Rennserien, darunter die Formel 1, die WEC und diverse GT-Veranstaltungen. Das berühmteste Rennen auf dem über 20 Kilometer langen Kurs sind die legendären 24 Stunden Nürburgring. Die Nordschleife gilt als die gefährlichste und eine der anspruchsvollsten Rennstrecken der Welt. Bereits über 70 Menschen verunglückten bei Rennen auf der Nordschleife.

Der Nürburgring wurde erbaut, um die Arbeitslosigkeit in der Region zu senken. Die Bauarbeiten begannen 1925, zeitweise waren rund 2.500 mit dem Bau der heute bekanntesten deutschen Rennstrecke beschäftigt. Die Kosten beliefen sich auf 14 Millionen Reichsmark (heute ca. 92,68 Millionen Euro). Bei der Eröffnung betrug die Gesamtlänge von Nord- und Südschleife (heute nicht mehr existent) 28,265 Kilometer. Direkt am Eröffnungstag wurde ein Motorrad-Rennen auf der Gesamtstrecke veranstaltet, am Tag danach fand das erste Automobil-Rennen statt, das Rudolf Caracciola mit einem Kompressor-Mercedes gewann.

Bereits im ersten Jahr gastierte die Motorrad-Europameisterschaft auf dem Nürburgring, auch mehrere Grand-Prix-Rennen wurden dort ausgetragen. Beim Eifelrennen 1934 entstand der Mythos der Silberpfeile. Der Legende nach überschritt der neu entwickelte Mercedes-Benz W25 das Maximalgewicht von 750 kg um genau ein Kilogramm. Die Mechaniker schliffen den für deutsche Rennwägen vorgeschriebenen weißen Lack in der Nacht ab und legten die Aluminiumkarosserie frei. Manfred von Brauchitsch gewann das Rennen souverän und stellte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 122,5 km/h den damaligen Streckenrekord auf.

Während des Zweiten Weltkriegs fand kein Rennen auf der Nordschleife statt. Ein Hotel an der Strecke wurde als Lazarett und Sitz eines Divisionsstabes genutzt, die Drahteinzäunungen um den Ring, die erst 1932 errichtet wurden, mussten 1934 abgebaut und der Rüstungsindustrie übergeben werden. Das erste Rennen auf dem Nürburgring nach Kriegsende war ein Grand Prix für Motorräder 1947.

Die Formel 1 auf dem Ring

Die Formel 1 fuhr 1951 zum ersten Mal auf der Nordschleife, Ferrari-Pilot Alberto Ascari gewann den ersten Großen Preis von Deutschland. Der Nürburgring etablierte sich als Klassiker auf dem F1-Rennkalender. 1968 bekam die Nordschleife ihren berühmten Beinamen "Grüne Hölle" von Sir Jackie Steward verliehen. Als er für den Deutschland Grand Prix aus dem Flugzeug stieg, sagte er zu seinem Fahrerkollegen Graham Hill: "Dieses Wochenende wird es die Grüne Hölle werden." Der Schotte gewann das Rennen bei Regen und Nebel mit vier Minuten Vorsprung.

Schwere und tödliche Unfälle häuften sich auf der Nordschleife, weswegen die Formel 1 im Jahr 1970 das Rennen boykottierte. Nach ungefähr 42 Millionen Euro teuren Umbauarbeiten, die vor allem sicherere Bedingungen schafften (Seitenstreifen, Leitplanken, weniger Sprungkuppen, Kerbs, Fangzäune), kam die Königsklasse des Motorsports im Jahr darauf wieder zurück in die Eifel. 1976 fuhr die Formel 1 das letzte Mal auf der Nordschleife. Niki Lauda verlor zwischen der Ex-Mühle und dem Bergwerk die Kontrolle über seinen Ferrari, schoss rechts in die Felswand ein und schleuderte brennend über die Strecke. Der Feuerunfall zeigte, wie gefährlich die Rennstrecke in Kombination mit den immer schneller werdenden Autos war.

1981 begann der Bau der Grand-Prix-Strecke im Bereich der Südschleife, die für den kürzeren und moderneren Kurs weichen musste. Auch die Nordschleife erhielt ein Update: Sie wurde auf die noch heute bestehenden 20,832 Kilometer verkürzt. Der neue Abschnitt wurde 1984 eröffnet und galt damals als "modernste und sicherste Grand-Prix-Strecke der Welt". Noch im selben Jahr kam die Formel 1 zurück in die Eifel und trug den Großen Preis von Europa auf der damals 4,5 Kilometer langen Strecke aus.

Heute misst die Grand-Prix-Strecke 5,148 Kilometer, kann in mehreren Varianten befahren werden und war mit Unterbrechungen über viele Jahre Austragungsort der Formel 1 sowie MotoGP. Seit der Eröffnung der Grand-Prix-Strecke fahren alle internationalen und die meisten nationalen Rennserien auf dem kürzeren Abschnitt und nicht mehr auf der Nordschleife.

24 Stunden auf dem Nürburgring

Während des F1-Boykotts 1970 wurde am 27. und 28. Juni das erste 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring veranstaltet. Schon davor gab es mehrere Langstrecken-Rennen auf dem Eifelkurs, auch drei 24h-Veranstaltungen. Doch das waren Rallyes oder Prüfungsfahrten. Die deutsche Motorsport-Legende Hans-Joachim "Strietzel" Stuck und Clemens Schickentanz gingen beim Premierenrennen als Sieger über die Ziellinie.

Seither sind die 24 Stunden auf dem Nürburgring der Klassiker im deutschen Motorsport und auf der deutschen Traditionsrennstrecke. Jedes Jahr pilgern hunderttausende Fans nach Nürburg, um das Spektakel auf der Nordschleife zu sehen. Die einzigen Ausfälle waren 1974 und 1975 wegen der Ölpreiskrise sowie 1983 wegen Umbauarbeiten.

Zwischenzeitlich wurde das 24h-Rennen als Teil der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft ausgetragen. Heute ist es ein eigenständiges Rennen für Tourenwagen- und GT-Autos. Seit der Eröffnung der Grand-Prix-Strecke 1984 werden die 24h Nürburgring auf einer Kombination mit der Nordschleife ausgetragen. Die Länge der Gesamtstrecke, wie beide Strecken zusammen genannt werden, beträgt 25,378 Kilometer. Sie hat über 80 Kurven und einen Höhenunterschied von 290 Meter. Als Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen und als eigenständige Rennserie wird auf der Gesamtstrecke die Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) sowie die 24h Qualifiers ausgetragen.

Die Nordschleife heute

Im Zuge des Projekts "Nürburgring 2009" wurde ab 2007 in rund zweijähriger Bauzeit ein großes Freizeitzentrum mit Einkaufszentrum, Achterbahn, Kneipenviertel, mehreren Hotels und Feriendorf in unmittelbarer Nähe der Rennstrecke errichtet. Wegen fehlender Besucher musste die Nürburgring GmbH am 2. November 2012 jedoch ein Insolvenzverfahren eröffnet werden. Die Eigentumsverhältnisse änderten sich danach mehrfach. Heute hält die NR Holding AG die Mehrheitsanteile an der Strecke.

Auch Privatpersonen haben heutzutage die Möglichkeit, auf der berüchtigten Nordschleife zu fahren. Auf der Website des Nürburgrings werden Fahrsicherheitstrainings, Touristenfahrten und Sportfahrertrainings angeboten. Auch Drift-Trainings, Trackdays und andere spezielle Fahrerlebnisse können auf der Website gebucht werden. Es gibt eine strenge Fahrordnung und Verhaltensregeln, die Fahrer beachten müssen, wenn sie auf der Nordschleife unterwegs sind.

Die Nordschleife ist berühmt für ihr Gefahrenpotenzial und ihre Wetterkapriolen. Viele Rennen auf dem Eifelkurs mussten bereits aufgrund von Regen, Nebel oder Sturm unterbrochen oder ganz abgesagt werden. Keine andere Rennstrecke auf der Welt kostete so viele Piloten und private Fahrer das Leben. Immer wieder gibt es Berichte über tödliche Unfälle bei Testfahrten. Deshalb sind die Sicherheitsvorkehrungen für Privatfahrten und Rennen sehr hoch. Um an einem Rennen auf der Nordschleife teilzunehmen, müssen Fahrer ein eigenes Permit machen. Das ist eine Art Führerschein für die Nordschleife, bei dem die Piloten eine theoretische Prüfung bestehen sowie eine praktische Einführung machen müssen. Egal, welche Einstufung und wie viel Rennerfahrung ein Fahrer hat – es gibt keine Ausnahme.