Obwohl das Autodromo Enzo e Dino Ferrari für viele Rennserien eine Traditionsstrecke ist, gastiert die Langstrecken-Weltmeisterschaft erst seit 2024 südöstlich von Bologna. Bereits 2011 wurde ein 3-Stunden-Rennen in Imola veranstaltet, damals im Rahmen der European Le Mans Series. Der geschichtsträchtige Kurs befindet sich unweit des Ferrari-Hauptquartiers und ist damit die Hochburg der Scuderia und der begeisterten Tifosi. Das Autodromo wurde 1952 eröffnet, neben der WEC gastieren auch die European Le Mans Series und die Superbike-WM in Imola. Die Formel 1 fuhr 2025 ihr vorerst letztes Rennen auf dem fast fünf Kilometer langen Kurs.

Die 6 Stunden von Imola waren eigentlich als einmaliges Rennen gedacht. Mit den 6 Stunden von Monza fuhr die WEC bereits seit 2021 jeden Juli auf italienischem Boden. Doch weil der Juli-Slot 2024 an die neu hinzugekommenen 6 Stunden von São Paulo ging, wurde der italienische Stopp auf April vorverlegt. Da auf dem Autodromo Nazionale Monza aber zu dieser Zeit Renovationsarbeiten durchgeführt wurden, wich die WEC auf die Rennstrecke in Imola aus. Im Juni 2024 wurde angekündigt, dass Imola weiter das Zuhause der Langstrecken-Weltmeisterschaft in Italien bleiben würde und ein Vertrag bis 2028 unterschrieben wurde.
Das erste 6-Stunden-Rennen in Imola gewann Toyota Gazoo Racing mit Mike Conway, Kamui Kobayashi und Nyck de Vries. Im Jahr darauf brachten James Calado, Antonio Giovinazzi und Alessandro Pier Guidi ihren Ferrari als Erste über die Ziellinie und sorgten für große Euphorie unter den zahlreichen Tifosi.
Das Layout des Autodromo Enzo e Dino Ferrari

Seinen klassischen Charakter als Hochgeschwindigkeitsstrecke verlor der ursprünglich 5,040-Kilometer lange Kurs nach den tödlichen Unfällen der Formel-1-Fahrer Ayrton Senna und Roland Ratzenberger 1994. Um mehr Sicherheit zu garantieren, wurde er entschärft und umgebaut. Mehrere Schikanen sorgten für eine drastische Reduzierung der Durchschnittsgeschwindigkeit.
Die heutige Strecke ist 4,909 Kilometer lang, führt gegen den Uhrzeigersinn und hat zehn Links- sowie neun Rechtskurven. Der Kurs hat es in sich: Der ständige Wechsel von kurzen Geraden und unharmonischen Schikanen beansprucht Motoren und Bremsen gleichermaßen. Deshalb ist es nicht einfach, die richtige Abstimmung zu finden. Elementar ist es, das Setup so zu wählen, sodass die Piloten hart über die Randsteine der Schikanen fahren können, ohne bei hoher Geschwindigkeit die Stabilität zu verlieren.

Eine Runde um den Autodromo Enzo e Dino Ferrari beginnt mit einem Rechtsknick, gefolgt von der Variante Tamburello. Sie besteht aus einer langsamen Schikane und einer nicht merkbaren Linkskurve. Danach geht es ein Stück gerade aus, bevor für die nächste Schikane, die Variante Villeneuve, gebremst werden muss. Die Hypercars haben nicht viel Zeit, um wieder auf Geschwindigkeit zu kommen, denn schon steht die Tosa-Kurve bevor. Ein guter Ausgang aus der langsamen Haarnadel ist wichtig, um so viel Speed wie möglich mitzunehmen, denn für Kurve 8 muss nicht gebremst werden.
Für Piratella, Kurve 9, hingegen schon. Die fast 90-Grad-Kurve führt in den leichten Bogen 10, gefolgt vom Rechtsknick 11 und der langsamen Rechtskurve 12, auch Acque Minerali genannt. Über einen Hügel folgt eine Gerade, bevor die nächste Schikane auf dem Plan steht. In der Variante Alte, Kurve 14 und 15, können Mutige mit viel Vertrauen in ihre Bremse ein Überholmanöver wagen. Ein weiteres Vollgasstück endet in der Rivazza, zwei 90-Grad-Kurven, danach folgt noch die Kurve 19, im Rechtsbogen müssen die Hypercars nicht verzögern.

